
von Thomas Schneider
Immer wieder nehmen – besonders alternative und der Esoterik zugeneigte – Medien in ihren Berichten und Kommentaren Bezug auf einen Mann, der am 8. Juni 1894 in Scharam bei Siegsdorf in Oberbayern geboren wurde und am 26. Juli 1959 im oberbayerischen Freilassing an Leberkrebs verstarb: Alois Irlmaier.
Auf dem Grundstück des Bauernsohnes, der sich als Selbständiger beruflich dem Brunnenbau widmete, sollen Ehefrauen und Mütter nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges Schlange gestanden haben, um von ihm zu erfahren, ob ihre vermissten Ehemänner und Söhne noch am Leben sind. Damals entstanden regelrechte Wallfahrten des Aberglaubens.
COMPACT verkauft Irlmaier
Das COMPACT-Magazin beschreibt Irlmaier in einem Newsletter als „berühmten Seher“. So sei es „besonders erschreckend“, schreibt die Redaktion von Chefredakteur Jürgen Elsässer, wie dieser Mann die aktuellen politischen Geschehnisse vorausgesehen habe. Im COMPACT-Shop wird ein Buch über Irlmaier in erweiterer Neuauflage angeboten mit dem Hinweis, dass er der „beste Hellseher der Neuzeit“ sei. Er habe nicht nur den Luftangriff auf seine Heimatstadt im April 1945 und den Einmarsch der Russen vorausgesagt, sondern auch den Krieg im Kosovo (1998-1999).
Wünschelrute und prophetische Schau
Der mehrfach wegen Betrugs vorbestrafte Irlmaier war Rutengänger und vertraute der Wunder- und Zauberkraft seiner Wünschelrute, die auf Ausstrahlungen oder Anziehungskräfte reagiert haben soll. Ein wissenschaftlicher Nachweis hierfür konnte bis heute nicht erbracht werden. Irlmaier hatte sich auf ein Terrain begeben, auf dem übersinnliche, antigöttliche Mächte und Kräfte am Wirken sind und nutzte sie für seine prophetische Schau.
Aus weltlicher Sicht gibt es ausreichend Kritikpunkte, die eine Glaubwürdigkeit von Irlmaiers „Visionen“ belegen. Viele seiner Aussagen sind so undeutlich und unbestimmt formuliert, sodass sie ohne Probleme im Nachhinein in Ereignisse hineingedeutet werden können – also spekulativ sind. Irlmaier nutzte die Retrospektive (den Blick in die Vergangenheit) und deutete sie mit unscharfen Äußerungen in die Prospektive (in die Zukunft) – wohl nach dem Motto: Geschichte wiederholt sich.
15 Mal verurteilt, sieben Mal wegen Betrugs
Viele der im Verbund von Recherchenetzwerken auffindbaren Aussagen von Irlmaier sind sehr kritisch zu betrachten, weil sie meist nicht von ihm selbst schriftlich fixiert wurden, sondern hauptsächlich aus Interviews oder Publikationen stammen. Es lässt sich nicht mit Sicherheit belegen, welche Worte exakt von Irlmaier stammen und vor allem in welchem Kontext sie gemeint waren. Immerhin sei Irlmaier – nach Recherchen von psiram.com insgesamt 15 Mal verurteilt worden, davon sieben Mal wegen Betruges. Da viele Irlmaier’sche Vorhersagen nicht eingetreten sind, gehen seine Anhänger davon aus, dass seine Zukunftsvorhersagen erst noch eintreten werden. Sarkastisch bewertet: Auch eine Option!
Die geistliche Komponente
Die weltliche Sicht auf Irlmaier bekommt auch eine geistliche Komponente. Als der praktizierende Katholik bereits für das Jahr 1950 den Dritten Weltkrieg vorhersagte, führte sein „Sehertum“ zu Angst und Panik in der Bevölkerung, wobei er selbst in aller Ruhe und Gelassenheit an seinem Wohnhaus weiterbaute. Das Nichtausbrechen des Dritten Weltkrieges habe er damals damit begründet, dass durch seine Visionen erzeugte „Fürbitten der allerseligsten Jungfrau“ der Krieg nicht ausgebrochen sei. Irlmaier brauchte also einen imaginären Ausweg für sein Sehertum.
Als Katholik hätte Irlmaier zumindest wissen müssen, dass Wahrsagerei Sünde gegen das erste Gebot ist („Du sollst keine anderen Götter neben mir haben“) und was im Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) steht: „Alle Formen der Wahrsagerei sind zu verwerfen: die Anrufung Satans oder anderer böser Geister, … die fälschlich die Zukunft erschließen wollen.“ (KKK Nr. 2116) – Anzumerken sei, dass dennoch bis heute nicht nur Katholiken, sondern auch evangelische Kirchenchristen kein Problem damit haben, Horoskope zu lesen, in ein Reiki– oder Yoga-Studio zu gehen, Heilsteine und Amulette mit „Heiligen“ zu tragen, zu einem Wahrsager zu gehen oder Wünschelruten zum Einsatz zu bringen.
Falsche Propheten
Jede Voraussage eines zukünftigen Geschehens (Prophetie) außerhalb der Bibel muss sich grundsätzlich von der Schrift selbst prüfen lassen, denn: „Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nütze zur Lehre …“ (2. Timotheus 3,16). Die Bibel warnt ausdrücklich vor falschen Propheten. In 5. Mose 13,1-3 heißt es: „Wenn ein Prophet auftritt … und es geschieht, was er sagt, und er spricht: ‚Lasst uns andern Göttern folgen‘, so sollst du nicht hören auf die Worte dieses Propheten.“ Selbst dann, wenn etwas scheinbar eintritt, bedeutet das nicht automatisch, dass es von Gott kommt!
Kein Hellseher, kein Prophet, kein Engel kann das genaue zeitliche Geschehen der künftigen Zeit und Endzeit wissen oder voraussagen. „Von jenem Tag aber und jener Stunde weiß niemand, auch nicht die Engel im Himmel, sondern allein mein Vater.“ (Matthäus 24,36) Wer behauptet, alles genau zu wissen, was kommen wird, der widerspricht direkt dem Wort Gottes.
Keine biblische Prophetie
Irlmaier berief sich in seinen Aussagen niemals auf den Gott der Bibel oder auf den Geist Gottes, sondern sprach von „Bildern“, „Eingebungen“ oder einer inneren Schau. Das sind typische Beschreibungen hellseherischer oder spiritistischer Erfahrungen, die die Bibel klar ablehnt: „Lasst euch nicht ein mit Wahrsagern … denn wer das tut, ist dem Herrn ein Gräuel.“ (5. Mose 18,10–12) Irlmaiers Visionen sind keine biblische Prophetie, sondern okkulte „Offenbarungen“, selbst wenn sie einen „religiösen“ Klang haben sollten.
Biblische Prophetie hat nur ein Ziel: Buße, Umkehr, Vertrauen auf Christus. Irlmaiers Visionen hingegen erzeugen meist Furcht, Panik, Flucht in ein Götzentum massiver Vorratshaltung und führen in die Esoterik. Das widerspricht dem Geist Gottes: „Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Timotheus 1,7) Wieso sich gerade alternative Medien, wie der COMPACT– und AUF1–Shop oder auch der KOPP-Verlag, mit Irrgeistern wie Irlmaier beschäftigen und ihnen eine Plattform bieten, muss nicht verwundern. Der christliche Glaube wird von diesen Anbietern ausgeblendet, weil sie andere Zielgruppen im Blick haben und der Glaube an Jesus Christus dem Geschäft schaden könnte.
Fazit zu Irlmaiers Sehertum
Aus Sicht der Bibel sind Irlmaiers Zukunftsvisionen nicht göttlich inspiriert, sondern gehören in den Bereich menschlicher oder dämonischer „Offenbarungen“. Sie sind mehrdeutig und meist bildhafter Natur. Die Süddeutsche Zeitung zitiert in einem Beitrag am 22. November 2016 Irlmaier zur Frage, ob er wirklich sicher sei, dass dies alles geschehen würde, mit den Worten: „Freili ko ma si aa irrn. I konn mi aa irrn – I bin aa bloß a Mensch“ („Freilich kann man sich auch irren. Ich kann mich auch irren – Ich bin auch bloß ein Mensch.“).
Ein Mensch kann, wie Irlmaier und wie Adam und Eva, irren, lügen und teuflischer Verführung auf den Leim gehen. Christen sollen sich immer – auch in schweren Zeiten – an das halten, was klar in der Heiligen Schrift offenbart ist und insbesondere an Jesus Christus, der allein der HERR über Zukunft und Geschichte ist.
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