
von Thomas Schneider
Neben den fernöstlichen Religionen Buddhismus und Hinduismus (Teile 2 und 3) und dem Islam (Teil 4) gibt es die sogenannte Neue Religion.
Es klingt fast paradox, denn diese Neue Religion steht einerseits im Gegensatz zu den drei genannten großen Religionen, zieht aber andererseits aus ihnen wesentliche geistige Wurzeln.
Die sogenannte Neue Religion hat ihren Ursprung zum einen in den klassischen Religionen und zum anderen im Okkultismus, in Sekten, Sondergruppen und Kulten – aber auch im liberalen Christentum. Die Neue Religion kann somit als Erscheinungsform oder Teil einer neuen und bisher noch namenlosen Weltreligion verstanden werden.
Der Okkultismus (lat. occultus = geheim, verborgen) ist ein Sammelsurium einer Vielzahl von magischen Praktiken. Gelegentlich wird der Begriff okkult auch als Synonym für esoterisch, paranormal, mystisch oder übersinnlich benutzt. Der Mensch will sich – mit einer bestimmten Handlung – Wissen und Macht einer außerweltlichen Instanz zunutze machen. Der Mensch will, daß sein Wille erfüllt wird. Okkulte Praktiken finden sich am Rande aller Religionen.
Immer wieder ergeben Umfragen, daß nahezu alle Befragten ihr Sternzeichen kennen, unter dem sie geboren sind. Horoskope finden sich in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften. Der Mensch bekennt sich dazu, seine Entscheidungen im Leben nach den Sternen auszurichten. Frauen sind nach Umfragen in der Mehrzahl, die daran glauben, daß Sternenkonstellationen ihr Leben beeinflussen. Sie sind emotional empfänglicher für übersinnliche Voraussagen.
Astrologie gehört zur Esoterik, und Esoteriker arbeiten mit okkulten Quellen. Dem Horoskopleser wird versprochen, daß er seine Persönlichkeit besser verstehen und seine Zukunft besser gestalten kann, wenn er den Sternen glaubt. Eine frühere Astrologin aus Berlin sagte mir: „Astrologie kann einen Menschen in Bindungen hineinführen, die man nicht sofort erkennt.“
Es gibt eine Vielzahl von Methoden, übernatürliches Wissen und Auskunft über die eigene Persönlichkeit und die persönliche Zukunft zu erhalten. Dazu zählen u.a. Gläserrücken, Tischerücken, Automatisches Schreiben und Pendeln. Die Schülerin einer Mittelschule berichtete mir, daß sich manche ihrer Klassenkameraden mit zunehmender Beliebtheit zum Zeitvertreib in den Pausen solcher Techniken bedienen, aber auch in Gruppen in Privathäusern nach dem Unterricht. Die Aussagen der Schülerin bestätigten meine Erfahrungen im Unterricht mit mehreren Schulklassen zum Thema Okkultismus.
Den jungen Menschen wird zumeist vorgegaukelt, daß das mit den okkulten Praktiken harmlose Spielerei sei. Schüler schrieben mir dann nach dem Unterricht, daß sie Erfahrungen mit übernatürlichen teuflischen Mächten gemacht haben. Ein Mädchen litt an starker Schlaflosigkeit, die sie in Angstzustände und Depressionen hineintrieb. Die erhaltenen sogenannten Botschaften, wie die Ergebnisse der nächsten Klassenarbeit, ein bevorstehender Lehrerwechsel, ja selbst ob eine Freundschaft hält oder zerbricht, werden auf Geister Verstorbener oder andere jenseitige Mächte zurückgeführt.
Andere Methoden sind der Spiritismus (das Befragen der Totengeister), das Handlesen (das Deuten der Handlinien), das Kartenlegen (zumeist Tarotkarten), das Rutengehen (u. a. Suche nach Wasseradern, Bodenschätzen), das Bleigießen (Lesen in zerschmolzenen Bleikügelchen), das Interpretieren des Kaffeesatzes und viele andere mehr. Fast jedes Jahr verkauft der Discounter ALDI vor dem Jahreswechsel ein Set zum Bleigießen für die ganze Familie. Aber auch DM und die Marktkette Kaufland haben es im Angebot. Bei Kaufland können auch Tarotkarten erworben werden.
Eine weit verbreitete Methode, sich übernatürliche Kräfte zunutze zu machen, besteht auch im Vertrauen auf Amulette, Schutzsteine und Talismane. Sie sollen vor Unglück schützen oder Erfolg bringen. Edelsteine, am Körper getragen oder in der Wohnung aufgestellt, sollen „negative Schwingungen” neutralisieren und dem Menschen geheimnisvolle Energien zuführen, die ihm Zuversicht, Selbstsicherheit und Gesundheit vermitteln (Edelstein-Therapie).
Auch der Aberglaube ist eine Plattform im Okkultismus. Unglück droht dem, der nach Einbruch der Dunkelheit Asche ausleert, der seinen Ehering abnimmt, der den Neumond über die linke Schulter ansieht, der im Hotelzimmer 13 übernachtet. Glück verheißt die Begegnung mit einem Schornsteinfeger, ein vierblättriges Kleeblatt, ein Hufeisen usw. Wenn ich ein Hotelzimmer gebucht habe, dann fragte ich meistens, ob ich das Zimmer mit der Nummer 13 bekommen könnte. Erstaunt höre ich dann vom Servicepersonal an der Rezeption meist als Antwort: „Das gibt`s in unserem Hotel nicht“.
Alternative Heilmethoden wie Reiki wollen kosmische Energien nach festgelegten Regeln zum Zweck der Heilung auf ihre Patienten übertragen. Mit diesen Heilmethoden wird nicht nur Gesundheit, sondern seelische Ausgeglichenheit, irdisches Glück und geistige Erleuchtung versprochen.
Mancher orientiert sich beim Bau seines Hauses oder der Gestaltung der Innenräume an den Regeln von Feng Shui. Es handelt sich um eine asiatische Philosophie, der zufolge kosmische Energien über die Erde fließen und durch die Anordnung von Möbeln, Spiegeln, Fenstern und Farben so gelenkt werden könnten, daß sie dem Wohlbefinden der Bewohner entweder nutzen oder schaden.
Eine besonders radikale Form ist der Satanismus. Biblische Aussagen über Gott, den Menschen und die Ethik werden auf den Kopf gestellt. Statt zu Gott, beten Satanisten zum Teufel, tragen das Kreuz verkehrt herum und wollen ihren Nächsten hassen statt lieben. Sexualmagische Praktiken, Ekeltraining und Tieropfer sollen die Macht Satans beschwören. Im Gegenzug wird ihnen unbegrenzte Macht versprochen, die sie zumindest in Ansätzen erreichen, sich dafür aber psychisch und geistlich an dämonische Mächte binden. Eine ehemalige Satanistin erzählte mir, daß es sich bei diesen Riten um keine Spinnereien handelt. Sie selbst hat jahrelang dieses okkulten Praktiken mitgemacht. Hätten ihr Christen nicht geholfen auszusteigen, würde sie nicht mehr leben, so diese damals 40-jährige Frau.
Von frühester Jugend an werden Menschen mit magischem und okkultem Gedankengut konfrontiert. Ab dem Kindergarten wird die Meditation in Form von Traumreisen und Fantasiereisen eingeübt oder es werden Hexenfeste gefeiert. Viele Kinderhörspiele, Jugendbücher oder Computerspiele stellen okkulte Praktiken positiv dar. Damit wird der Eindruck erweckt, solche Praktiken ließen sich durchaus zur Lösung persönlicher Lebensprobleme einsetzen.
Auch Christen geraten in die Gefahr des Okkulten, wenn sie beispielsweise das Gebet als Instrument dafür einsetzen, ihre persönlichen Wünsche mit göttlicher Kraft zu befriedigen. Magisch denkt auch, wer meint, man müsse nur richtig beten oder richtig glauben, dann würden alle Krankheiten weichen und sich alle Nöte – auch alle finanziellen Sorgen – wie im Nichts auflösen. In der Bibel aber steht nichts von solchem Wohlstandsglauben. Denn auf diese Weise wird Gott Seiner Souveränität beraubt. An die Stelle des himmlischen Vaters tritt dann eine durch die Anwendung pseudochristlicher magischer Methoden frei verfügbare jenseitige Macht.
Methoden und Praktiken mit okkultem Hintergrund sollte ein Christ weder selbst tun noch andere dazu verführen. Ein Mensch, der allein Jesus Christus vertraut, weiß um die Realität übernatürlicher dämonischer Mächte. Und er weiß dies auch nur dann, wenn er die Bibel liest und ihm der Geist des lebendigen Gottes zu Seinem Wort die Erkenntnis zum Verstehen schenkt.
Okkulte Praktiken können zu Persönlichkeitsveränderungen führen, zu Labilität, Depression, Neurosen, Interesselosigkeit, Kommunikationsstörungen, Suizidgefährdung und zu geistlicher und psychischer Abhängigkeit. Der Mensch verliert den Blick für die Realität und beginnt, bei Problemen im Alltagsleben in Übersinnliches zu fliehen oder über irgendwelche Praktiken Übernatürliches auf sich wirken zu lassen. Menschen gehen nicht nur in die Irre, sondern werden oft irre und brauchen Seelsorge und psychologische Betreuung. Immer wieder rufen bei unserer Arbeitsgemeinschaft Männer und Frauen an, die dringend Hilfe brauchen. Ein 55-jähriger meinte, Geister in seinem Schlafzimmer zu sehen. Die Familie war umgezogen. Nach mühsamen Recherchen konnte herausgefunden werden, daß in diesem Zimmer während des Krieges spiritistische Sitzungen abgehalten wurden.
Wir werden sowohl im Alten als auch im Neuen Testament deutlich vor jeder Anwendung okkulter Praktiken gewarnt (3Mo 20,6.27; 5Mo 18,9-14; 2Chr 33,6; Apg 16,16f; Gal 5,20). Zu Moses Zeiten wurden Menschen, die Geister beschwören, zum Tode verurteilt. In 3.Mose 20,27 steht: „Wenn ein Mann oder eine Frau Geister beschwören oder Zeichen deuten kann, so sollen sie des Todes sterben.“ Im 5. Buch Mose 18,10-12 heißt es: „daß nicht jemand unter dir gefunden werde, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen läßt oder Wahrsagerei, Hellseherei, geheime Künste oder Zauberei treibt oder Bannungen oder Geisterbeschwörungen oder Zeichendeuterei vornimmt oder die Toten befragt. Denn wer das tut, der ist dem HERRN ein Gräuel… ”
Oder lesen wir die Geschichte mit der Magd und dem Wahrsagegeist in Apostelgeschichte 16,16-21. Dort steht, daß die Wahrsagerin ihren Herren viel Gewinn einbrachte. Und als Paulus dem Wahrsagegeist im Namen Jesu Christi befahl, von ihr zu weichen, wurde er dafür gemeinsam mit den anderen Jüngern mit Stöcken geschlagen.
Gottes Wort sagt uns im Galaterbrief, daß wir nicht nach fleischlichen Begierden, sondern in Christus leben sollen. Und zu diesen menschlichen Begierden gehören nach Galater 5,20 auch Götzendienst und Zauberei. Auch dämonische, also gottfeindliche Mächte können übernatürliche Erkenntnisse vermitteln und außergewöhnliche Fähigkeiten verleihen. Paulus schreibt im 2. Korintherbrief 11,14: „Und das ist auch kein Wunder; denn er selbst, der Satan, verstellt sich als Engel des Lichts.“
Christen, die ihr Vertrauen auf okkulte Kräfte setzen, erfahren unter Umständen die Wirkungen dieser Kräfte in ihrem Leben. Ja, es gibt Christen, die die Realität okkulter Phänomene leugnen. Das aber widerspricht der Heiligen Schrift. Denn nach der Bibel ist sowohl Gott wie auch sein Gegenspieler, der Satan, jederzeit auf der Erde präsent. Im 1. Petrusbrief 5,8 heißt es: „Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge.“ Deshalb werden Christen durch Gottes Wort ermutigt und aufgerufen, geistlich zu kämpfen und Menschen zu helfen, damit sie Gottes Heiliger Geist von okkulten Bindungen befreit.
Abschließend sei zum Teil 5 der Reihe „Götter Götzen, Religionen“ darauf hingewiesen, dass es sich sich hier um eine eng begrenzte Auswahl von okkulten Praktiken handelt. Auf der Seite agwelt.de/flyer/ sind weitere Informationen zu angesprochenen Themen zu finden, darunter Aberglaube AG1001, Esoterik AG1072, Feng Shui AG1037, Gläserrücken AG1017, Horoskope AG2027, Magie AG1094, Mystik AG1079, Okkultismus AG1082, Pendeln AG1030 und Reiki AG1093.