AG Welt

Musik und Gemeinde

Foto: AG WELT

von Georg Walter

Gemeindemusik sollte sich von weltlicher Musik unterscheiden, denn die Gemeinde ist wie der antike Tempel, Gottes Haus, in dem wir uns versammeln um den Herrn anzubeten und nicht, um unterhalten zu werden. Schlaginstrumente, die Menschen durch einen lauten und unaufhörlichen Rhythmus körperlich stimulieren, sind für die heutige Gemeindemusik ebenso unpassend wie für die Tempelmusik im alten Israel.

Gelegentlich trifft man auf das Argument, Rhythmusinstrumente wie Schlagzeug oder gar Rockmusik seien im Gottesdienst erlaubt, da auch Zimbeln im alttestamentlichen Tempelgottesdienst Verwendung fanden. Zimbeln können zwar als Rhythmusinstrument dienen, wurden aber von den Leviten als solche keineswegs gebraucht. Die Mischna zeigt, dass nur ein Paar Zimbeln erlaubt war und dass ausschließlich die Leviten die Zimbeln spielen durften. Zimbeln dienten dazu, Beginn oder Ende eines Liedes, ein Zwischenspiel oder eine Pause, Selah, anzukündigen. Zimbeln dienten also gerade nicht der Rhythmusgebung oder Gesangsbegleitung, wie es bei den orgiastischen Kulten der Heiden charakteristisch war.

Es gibt in der Bibel ferner keine Hinweise darauf, dass Männer und Frauen im Tempel getanzt haben. Tanzen in der Bibel begegnet uns bei geselligen Festen zu besonderen Anlässen, wie etwa einem militärischen Sieg, einem religiösen Fest oder einem Familientreffen. Zumeist tanzten Frauen, die vom Musikdienst im Tempel, und später in der Synagoge, ausgeschlossen waren. Im Tempelgottesdienst galt Tanzen als unpassend.

Der Musikdienst soll von geistlich gesinnten Menschen geleitet werden. Diese Lektion lehrt uns der Musikdienst im Tempel, der von reifen Leviten ausgeübt wurde, die musikalisch ausgebildet und geistlich vorbereitet wurden. Dieses göttliche Prinzip gilt auch heute, denn die Gemeinde ist der Tempel Gottes.

Musik soll auf Gott ausgerichtet sein, nicht auf persönliche Vorlieben der Gottesdienstbesucher. Die Vorstellung, den Herrn zur Unterhaltung oder zum Vergnügen zu preisen, ist der Bibel fremd. Die Musik im Tempel war „opferzentriert“, das heißt, sie diente dazu, Gott für die Vergebung und Erlösung durch die Opfergaben zu preisen. In der Synagoge war die Musik „wortzentriert“, das heißt, sie diente dazu, Gott durch den Gesang seines Wortes zu preisen. In der frühen Gemeinde war die Musik „christuszentriert“, das heißt, sie diente dazu, Christi Erlösungswerk zu preisen.

In einer Zeit, in der die Grenze zwischen sakraler und weltlicher Musik verschwimmt und viele weltlich gesinnte Christen Pop- und Rockmusik für den Gebrauch in der Gemeinde propagieren, sollten wir uns daran erinnern, dass die Bibel uns aufruft, „den Herrn in heiligem Schmuck anzubeten“ (1Chr 16,20; vgl. Ps 29,2; 96,9).

Unterhaltungsmusik war im Tempel, in der Synagoge und in der frühen Gemeinde nicht erlaubt. Dasselbe sollte auch heute in der Gemeinde gelten. Wer anderer Meinung ist und Popmusik für seine Gottesdienste verwenden möchte, kann dies gerne tun. Doch diejenigen, die sich an die Autorität der Heiligen Schrift halten, sollten sich an jene Musik halten, die Gott auf eine Weise preist, die nicht sinnlich ist – eine Musik, die die Schönheit und Reinheit von Gottes Wesen widerspiegelt und sein wunderbares Schöpfungs- und Erlösungswerk für die Menschheit erhebt.

Möge der Herr uns die Unterscheidungskraft und den Wunsch schenken, unsere Häuser und Gemeinden mit Musik zu erfüllen, die dem Herrn gefällt, und nicht mit Musik, die den Beifall der Welt findet.

Die mobile Version verlassen