
von Thomas Schneider
Der bekannte Satz „Irren ist menschlich“ bringt eine Wahrheit auf den Punkt, die von der Bibel klar bestätigt wird: Der Mensch ist fehlbar.
Seit dem Sündenfall lebt der Mensch nicht mehr in vollkommener Gemeinschaft mit Gott, sondern ist geprägt von Begrenztheit, Unwissenheit und einer fortwährenden Neigung zur Sünde. „Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer“ (Römer 3,10).
Aus biblischer Sicht sind Irrtum und Fehlverhalten keine bloßen kleinen Schwächen, sondern Ausdruck des gefallenen Menschen. Deshalb braucht der Mensch Orientierung. Der alte Prophet Jeremia betet: „Ich weiß, HERR: Der Mensch hat sein Schicksal nicht in der Hand, keiner bestimmt selbst, wohin sein Lebensweg führt.“ Wer ehrlich auf sich selbst schaut, erkennt schnell: Eigene Einsicht und Vernunft reichen nicht aus, um zuverlässig zwischen Wahrheit und Irrtum zu unterscheiden.
Gott kennt die Fehlbarkeit des Menschen und begegnet ihr nicht mit Gleichgültigkeit, sondern mit Geduld und Erbarmen. „Denn ER weiß, was für ein Gebilde wir sind; ER gedenkt daran, daß wir Staub sind“ (Psalm 103,14). Entscheidend ist daher nicht, ob ein Mensch irrt – das ist unausweichlich –, sondern wie er mit seinem Irrtum umgeht.
Nehmen wir beispielsweise Bundeskanzler Friedrich Merz. Was hat er vor der Wahl versprochen? Keine neuen Schulden und Einhaltung der Schuldenbremse; Strompreisentlastung; Sicherung deutscher Grenzen und strikte Kontrolle der Einwanderung; Rückkehr zur Kernkraft und Abschaffung des Heizungsgesetzes und so manches mehr. – Versprochene Reformen sind bis heute ausgeblieben. Hat sich Merz nur geirrt? Oder hat er das deutsche Volk vorsätzlich angelogen? Greift bei seinem Handeln der Satz „Irren ist menschlich“?
Die Bibel ruft zur Demut auf: zur Bereitschaft, sich korrigieren zu lassen, Schuld einzugestehen und Gottes Wahrheit über das eigene Denken zu stellen. „Verlaß dich auf den HERRN von ganzem Herzen und verlaß dich nicht auf deinen Verstand“ (Sprüche 3,5). Merz zeigt bis heute weder die Bereitschaft, sich von der stärksten Opposition im Land korrigieren zu lassen, noch seine Schuld am Niedergang Deutschlands einzugestehen, noch Gottes Wahrheit über sein eigenes Denken zu stellen.
Jesus Christus selbst ist der Maßstab und die Antwort auf menschliches Irren. Denn ER ist der Weg, die Wahrheit und das Leben (Johannes 14,6). In IHM zeigt Gott dem Menschen den Weg aus der Verlorenheit, aus falschen Wegen und selbstgemachten Wahrheiten. Wer sich an Christus orientiert, findet nicht Unfehlbarkeit, aber Vergebung, Führung und Hoffnung auf Erneuerung. Wäre der Bundeskanzler Christ, würde er Gott um Rat fragen. ER hat Antworten auf alle Fragen – auch in der Regierungsverantwortung!
So verstanden ist „Irren ist menschlich“ keine Entschuldigung für Beliebigkeit oder Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit, sondern eine Einladung zur Umkehr. Der bibeltreue Glaube erkennt die eigene Begrenztheit an und vertraut darauf, daß Gott den Irrenden nicht verwirft, sondern ihn liebevoll zur Wahrheit führt. Wenn der Mensch – wie beispielsweise der deutsche Bundeskanzler – das auch will.
Es gibt eine alte Volksweisheit, die das Gesagte humorvoll stützt: „Irrer als eine Eidechse“. Dieses Sprichwort spielt darauf an, daß eine Eidechse angeblich ihr Loch nicht wiederfindet, wenn sie es einmal verlassen hat. Sie legt deswegen bei ihrem Ausgang ein Steinchen darauf, um es so wieder zu erkennen. Merz scheint vergessen zu haben, das „Steinchen“ zu beachten, das ihm Orientierung schenken und das wahre Ziel, die Wahrheit finden läßt.